Alltags-Anekdote Teil 3: Schnipp Schnapp, Haare ab

Wir wissen es alle… Es sollte nicht passieren, es ist nicht schön, aber dennoch passiert es ständig in den KiTas: Die Kleinen spielen Frisör mit echten Scheren und es fallen echte Haare und am Ende steht man als Erzieher*in ganz schön blöd da. Denn schließlich hat man es nicht bemerkt, dass sich die Kinder unerlaubt Scheren genommen haben, um sich dann gegenseitig die Haare zu schneiden. Und dann? Muss man als Erzieher*in den restlichen Tag einigermaßen gut meistern… Denn man hat nur einen Gedanken im Kopf: Wie erkläre ich das bloß der Mutter?!

Hier also einmal ein kleiner Bericht über ein solches Geschehnis:

Es ist eigentlich ein ganz normaler Tag. Gerade haben wir das Frühstück hinter uns gebracht, die Angebotszeit ist gut verlaufen und jetzt starten alle ins offene Freispiel. Natürlich: Teiloffenes Konzept, Partizipation und so. Geschlossen ist ja ziemlich out. Die Kinder dürfen sich also frei bewegen und frei entfalten. Sie können natürlich entscheiden, wo sie sich gerade aufhalten und vor allem wie sie sich gerade beschäftigen. Das hat Vorteile. Keine Frage…. Aber es hat auch Nachteile und ich behaupte beim geschlossenen Konzept wären die folgenden Geschehnisse nicht passiert… Denn das offene Konzept bringt eben auch mit sich, dass wir Erzieher*innen nicht alle Kinder immer im Blick haben können und eben nicht wissen, was jedes einzelne Kind der Gruppe gerade so tut.

Wie dem auch sei. Heute bin ich im Kreativraum eingeteilt. Und wie ich dort so sitze, stürmen die Kinder aus den drei Gruppen in meinen Raum. Natürlich nicht alle Kinder, sondern eben nur die, die gerade Lust darauf haben sich kreativ auszuleben. Es ist ein Kommen und Gehen. Und manchmal verliere ich auch kurz den Überblick. Aber so ist es. Alle sind gut drauf. Keine Konflikte.

Ich helfe Ursula dabei ihre Idee umzusetzen ein Pferd zu basteln, während ich nebenbei mit Karl das Schneiden übe. An einem Tisch wird gemalt, an einem weiteren wird gebastelt. Und plötzlich schreit der kleine Henning auf: Ich muss PIPI! Und wenn der kleine Henning aufschreit, dass er Pipi muss, komme ich dem sofort nach, denn dann ist es dringend. Um Pfützen auf dem Boden zu vermeiden, sprinte ich mit ihm los zur Toilette. Die Toilette ist nicht so weit weg… doch es stellt sich raus, dass Henning eben nicht nur Pipi muss, er muss zugleich noch sein großes Geschäft erledigen. Und das… dauert.

Da ich ihn nicht hetzen will, gebe ich Bescheid, dass ich kurz im Kreativraum nach dem Rechten sehen will und gleich zurück bin. Daraufhin, wie sollte es anders sein, beginnt Henning bitterlich zu weinen und erklärt mir unmissverständlich, dass er Angst habe, so ganz alleine auf der Toilette. Das akzeptiere ich und bleibe bei ihm, wohlwissend, dass sich die Kinder nach wie vor unbeaufsichtigt im Kreativraum befinden. Gefährliches Pflaster. Gefühlte zehn Stunden später ist Henning fertig und ich bin es auch… Mit den Nerven jedoch. Das Gefühl, circa 10 Kinder allein zu lassen, macht einen wahnsinnig nervös. Aber manchmal geht es ja nun mal nicht anders.

Zehn Stunden entpuppen sich als 6 Minuten und wir sprinten zurück zu den anderen.

Im Flur hätte ich schon schalten können, habe ich aber nicht… Im Flur lagen ein paar Haare. Eine Anhäufung von Haaren. „Als ob sich jemand dort gekämmt hätte“, geht mir durch den Kopf. Nun ja. Ich gehe weiter, betrete den Raum und stelle fest: Haare!!! Viele Haare!!!

Ich kriege Schweißausbrüche, denn ausnahmsweise weiß ich sofort was das bedeutet: Die Kinder haben Frisör gespielt und ich bin verloren. Ich bekomme Panik. Suchend schaue ich um mich, in der Hoffnung den Kopf zu entdecken, der all diese Haare nun nicht mehr auf sich trägt. In der weiteren Hoffnung, dass es bitte nicht allzu schlimm sein möge und noch viel wichtiger: Dass es das richtige Kind getroffen hat.

Aber wie es im Erzieher*innen-Leben nun mal so läuft: Es kommt immer schlimmer, weil sowas immer genau bei den Kindern passiert, die die schlimmen Eltern haben. Schlimm in dem Sinne, dass man genau weiß, dass eben diese Eltern das ganz und gar nicht lustig finden werden. Die Art von Eltern, die heute Mittag auf das Frisör-Spiel mit einer Mischung aus Wut, Hass, Vorwurf und Verachtung reagieren werden.

Ich entdecke einen frisierten Kopf und oh… ich entdecke noch einen frisierten Kopf! Oh nein! Zwei Köpfe, bei denen offensichtlich eine Menge Haar fehlt. Zwei Mädchen: Natürlich! Was auch sonst?!

Zwei Mädchen mit blonden, langen, oder sollte ich eher sagen: normalerweise langen Haaren kommen auf mich zugelaufen. Sie sehen schlimm aus. Beide. Ich zittre vor Angst. Mir ist übel. Ich weiß, was mir blüht. Ich schaue auf die Uhr… und denke mir: noch 3 Stunden… dann sterbe ich.

In meinem Kopf stelle ich mir vor, wie die beiden, ehemals langhaarigen Prinzessinnen (so werden sie von ihren Müttern stets genannt) beim Frisör sitzen und wie dieser mitfühlend sagt: Sorry, da kann ich leider nichts machen.

Die nächsten drei Stunden vergehen nur sehr langsam. Ich kann nichts essen, kann nichts trinken. Ich bin nicht mehr aufnahmefähig, bin nicht mehr ich selbst, alles dreht sich nur um dieses Ereignis. Und als es schließlich Abholzeit ist… will ich es einfach nur noch hinter mich bringen:

Da kommt die erste: Sophias Mutter.

Selbstbewusst gehe ich zur Tür und beichte das Geschehnis. Und als ich noch nicht ganz fertig bin, kommt auch schon Ex- Prinzessin Sophia zu ihrer Mutter gerannt!

Die Mutter guckt mich an, guckt Sophia an, schreit: „Oh Gott!!!“
Und dann beginnt sie einen laaaangen Monolog, dessen Inhalt ich nicht mehr zusammen bekomme. Ich vernehme nur, dass sie wahnsinnig sauer ist. Ich hätte meine Aufsichtspflicht verletzt. Das habe ein Nachspiel. Irgendwann ist sie weg.

Ich bin froh, dass ich zumindest 50% geschafft habe.
Nun geht es in Runde zwei: Antonias Mutter. Sie kommt rein. Ich beichte. Sie beginnt zu weinen. Puh. Das hatte ich nicht erwartet… aber das macht es nicht besser:

„Ihr wisst aber schon, dass wir heute Nachmittag unser großes Familien-Fotoshooting haben? Antonias Tante ist auf Grund dieses Anlasses extra aus der Schweiz angereist.“ Oh. Der hat gesessen. Ich schäme mich und bitte vielmals um Entschuldigung. Eine Entschuldigung würde ihr nichts bringen. Sie sei maßlos enttäuscht, von der schlechten Betreuung, die hier stattfinde.

Auch nicht schön.

Kurz überlege ich, ob ich die Situation mit einem witzigen Spruch über Antonias coole neue Frisur auflockern sollte. Dann entscheide ich mich jedoch dagegen. Irgendwie ist mir Leben schon noch wichtig. Ich schweige also, schaue bedächtig auf den Boden und warte bis es vorbei ist.

Irgendwann habe ich es geschafft, die Situation, sowie auch der Tag, sind vorbei. Und am nächsten Morgen erscheinen zwei echt süße Mädchen mit modernen Bob-Frisuren. Ob ich den Müttern sagen sollte, dass die Mädels jetzt viel hübscher aussehen als vorher?

Ich lasse es lieber 🙂

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Von Manuela

Manuela kann als Erzieherin sehr gut mit Kindern, aber auch mit Texten.

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