Konzeptreihe Teil 5: Offenes Konzept

Es ist in aller Munde.

Gerade seitdem sich der Partizipationsgedanke so festigt, entschließen sich viele Einrichtungen zur Arbeit nach dem offenen Konzept. Beziehungsweise: Sie betiteln ihre Arbeit als „offene Arbeit“. Es scheint quasi modern zu sein eine solche Arbeit vorzuweisen und im Gegenzug dazu scheint das „geschlossene Konzept“ völlig überholt und veraltet.

Doch was steckt denn nun eigentlich dahinter?

Was genau ist das offene Konzept? Was ist das Bild vom Kind und was ist die Rolle der ErzieherInnen?

All diesen Fragen gehen wir hier einmal auf den Grund.

Das offene Konzept entstand in den 70er Jahren mit der Idee, den Kindern mehr Entscheidungsfreiräume zu bieten und sich von starren Strukturen zu lösen.
Die generellen gesellschaftlichen Veränderungen in Bezug auf das Bild vom Kind bringt diesem Konzept mehr und mehr Beliebtheit. Freiheit steht im Mittelpunkt und genau aus diesem Grund fällt es schwer das offene Konzept durch eine vorgefertigte Definition zu beschreiben.
Die Kernaussage bezieht sich somit im Allgemeinen darauf, dass sich das Konzept durch eine Öffnung in alle Richtungen auszeichnet, um eine freie Entfaltung der Persönlichkeit zu ermöglichen.

Die Auslegung des Ganzen ist dann wiederum durch und durch verschieden, da eine Öffnung in unterschiedlichen Bereichen stattfindet.
Die Ziele der Arbeit in der Pädagogik werden laufend weiterentwickelt und praktisch umgesetzt. Dadurch ergeben sich viele Ideen und Möglichkeiten erst durch Situationen in der Praxis.

Alles in allem lässt sich sagen, dass eine wirkliche offene Arbeit nur funktionieren kann, wenn die innere Einstellung des Fachpersonals auch „offen“ ist. Denken die Fachkräfte aus innerer Überzeugung heraus offen und stehen hinter der Grundidee, kann eine Umsetzung des Konzepts funktionieren.

Vielen geht dabei die generelle Öffnung der pädagogischen Arbeit zu weit, weshalb die meisten bei ihrer Umsetzung in eine teiloffene Alternative fallen.

Wie sieht die tägliche Arbeit im offenen Konzept aus?

Das offene Konzept wird komplett unterschiedlich umgesetzt. Eines jedoch haben alle offenen Einrichtungen gemeinsam: Der Verzicht auf feste Gruppeneinteilungen ist ein wichtiger Bestandteil. Im Gegensatz zur geschlossenen Arbeit haben die Kinder also keine feste Stammgruppe, der sie zugehörig sind. Konkret bedeutet dies, dass die Kinder selbst entscheiden können, welchen Raum sie aufsuchen wollen.

Denn fernab vom gängigen Modell der Gruppenräume, arbeitet ein offener Kindergarten mit Funktionsräumen. Jeder einzelne Raum ist einer festen Funktion zugeordnet, die die Kinder je nach momentaner Situation und Verfassung nutzen können. Durch die räumlichen Kapazitäten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt!

Hier einige Möglichkeiten der Raumgestaltung:

  • Kreativraum: Hier wird alles angeboten, was mit Kreativität zu tun hat.
    Malen, Basteln, Schneiden etc. Jegliches Material sollte hier frei zugänglich sein und unter Aufsicht verwendet werden können.
  • Werkstatt: Holz, Hammer, Nägel, Schrauben, Kleber? All das findet man in diesem Raum.
    Hier steht dem kreativen Werkeln nichts mehr im Wege.
  • Bällebad: Ein ganzer Raum als Bällebad? Na, warum nicht? Hier ist Spaß vorprogrammiert.
  • Bauraum: Im Bauraum lassen sich alle Materialen bespielen, die zum Bauen, Stecken, Legen usw. geeignet sind. Bauklötze, Duplo, Lego, Holzeisenbahn, Murmelbahn und Steckperlen sind nur ein paar mögliche Materialien, die in diesem Raum verwendet werden.
  • Bewegungsraum: Toben, Rennen, Vollgas geben und auch mal laut sein. Im Bewegungsraum kann man sich auspowern.
  • Snoezelenraum: Hier ist Ruhe angesagt. Braucht ein Kind Entspannung, ist es hier richtig: Kissen, Decken, verdunkelter kuscheliger Raum. Vielleicht noch ein paar Bilderbücher und schon ist es gemütlich.
  • Musikraum: Hier wird es musikalisch. Alles was mit Musik und Musizieren zu tun hat, sollte in diesem Raum aufbewahrt werden. Die Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, frei zu musizieren und sich dabei selbst auszuprobieren.
  • Spielbereich im Freien: Frische Luft tut gut. Deshalb zählt auch der ansprechend gestaltete Freispielbereich als einzelner Funktionsraum.
  • Experimentierraum: Zeit zu Forschen! Hier gibt es wieder viele Möglichkeiten, Dingen des Lebens auf die Spur zu kommen. Wassertisch, Sandtisch, Reagenzgläser, Petrischalen. Nur her damit für diesen Funktionsraum!
  • Cafeteria: Dies ist der Raum, in dem die Mahlzeiten aufgenommen werden. Die Essenzeiten sind dabei flexibel.

Der klassische Ablauf in einer KiTa mit offenem Konzept, sofern man vom klassischen Ablauf sprechen kann, sieht also vor, dass die Kinder stets die Freiheit haben sich auszuprobieren und ihren Interessen nach Beschäftigungen nachzugehen.

Es gibt keine starren Angebote, an denen jedes Kind teilnehmen muss, genauso wenig wie es feste Zeiten gibt, in denen die Kinder mit bestimmten anderen Kindern irgendeiner festen zeitlichen Struktur nachkommen müssen. Die Kinder haben also die freie Entscheidung, wie sie wann und mit wem ihre Zeit in der KiTa füllen. Somit fallen in solchen „komplett offenen“ Konzepten auch häufig die klassischen Sitzkreise weg.

Und was ist meine Rolle als ErzieherIn dann?

Die Rolle der ErzieherInnen ist in einem solchen Konzept ein wenig anders als bei anderen Konzeptionen. Wie bereits erwähnt sind die innere Einstellung und die Befürwortung dieser offenen Arbeit das A und O. Die Kinder sind frei in ihrer Auswahl und es gibt keine engmaschigen Strukturen. Das hat zur Folge, dass die Rolle der ErzieherIn so definiert sein muss, dass die Kinder bei ihrer Interessenfindung begleitet werden. Funktionsräume müssen beaufsichtigt und Anregungen innerhalb des Raumes geschaffen werden. Die ErzieherInnen fungieren somit mehr als Begleiter.

Des Weiteren muss man in einem solchen Konzept größer denken.  Alle Angestellten einer KiTa gehören zusammen und jeder ist für jedes Kind verantwortlich. Das heißt im konkreten, dass die Kinder dadurch, dass sie keiner festen Gruppe angehören, jede/n ErzieherIn als Ansprechpartner haben. Die ganze KiTa ist somit eine große Gruppe.

Für das Team bedeutet das eine große Herausforderung und fordert zusätzlich zur inneren Einstellung und Überzeugung auch eine Menge Kompetenz beim Treffen von Absprachen und den genauen Austausch über alles was in der KiTa passiert. So muss beispielsweise jede ErzieherIn über jedes Kind genaustens Bescheid wissen.

Wie ist das Bild vom Kind?

Das Kind wird in der offenen Arbeit als mündig angesehen. Es ist von sich aus interessiert, die eigene Umwelt zu erkunden. Infolgedessen hat es die Möglichkeit frei zu entscheiden, welchen Aktivitäten es nachgehen möchte. Was möchte es fördern und was möchte es nicht? Womit möchte es sich wann, wo und mit wem beschäftigen?

Das sind Fragen, die sich das Kind unbewusst stellt und die es mit Hilfe des offenen Konzepts lernt zu beantworten.

Als Resultat gehen unheimlich selbstständige Kinder hervor, die kompetent in ihrer Entscheidungsfindung sind.

Von Manuela

Manuela kann als Erzieherin sehr gut mit Kindern, aber auch mit Texten.

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