Jahresrückblick: Unser beliebtester Artikel im Jahr 2022

Ja, das Jahr neigt sich dem Ende zu und das ist für uns natürlich ein Anlass, unser Artikel-Jahr Revue passieren zu lassen.

Wir haben in diesem Jahr Artikel zu vielen verschiedenen Themen veröffentlicht, haben verschiedene Leute interviewt… Ja, sogar eine Podcast-Folge mit Aytug Gün ist entstanden! Es gab 12 Artikel aus der Alltagsanekdoten-Reihe, in denen ihr das ganze Jahr über durch den Alltag einer Erzieherin mitgenommen wurdet, die sich selbst und den Job ganz schön auf die Schippe nimmt. Wir haben euch sämtliche Kita-Konzepte präsentiert und so ziemlich jede Kinderkrankheit präzise vorgestellt. Dann waren da noch die Feste: Karneval, Ostern, Weltkindertag und co., zu denen es auch immer einen passenden Artikel gab!

Doch die Fragen, die wir uns stellten, waren: „Welcher Artikel wurde in diesem Jahr am meisten gelesen?“ und „Was bewegte die Erzieherinnen* im Jahr 2022 wirklich?“

Die Antwort auf diese Fragen ist so spannend wie einleuchtend zu gleich.

„Kranke Kita-Kinder betreuen oder nicht?“ – dieser Artikel aus dem Frühjahr 2022 ist unser Artikel mit den meisten Interaktionen und Klicks über Social Media!

Dass dieser Artikel so interessant für viele pädagogische Kräfte war, ist total logisch.

Wie der Titel schon verrät, geht es hier darum, wo man als Erzieherin eigentlich die Grenze zieht: „Mit welchen Krankheitssymptomen betreut man das Kind noch?“, „Ist es schon zu krank?“, „Gehört es nicht eigentlich nach Hause?“. Andererseits: „Verliert die Mutter vielleicht ihren Job, wenn sie nicht arbeiten kann, weil ihr Kind schon wieder krank ist?“

Diese Frage stellt einen riesigen Zwiespalt dar, der in den deutschen Kitas leider Alltag ist.

Und das ist auch kein Wunder: Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren verändert. Meistens sind beide Elternteile berufstätig und die Kinder sind daher auf eine Betreuung in der Kita angewiesen. Zudem sind die Krankheiten (vor allem seit der Pandemie) viel aggressiver als früher und die meisten Kinder leiden jetzt schon unter Reaktionen auf alltäglichen Stress.

Die Abwehrsysteme der Kinder schaffen es also seit einiger Zeit nicht mehr sich zu wehren. Das Ergebnis sind endlose erscheinende Krankheitsserien, die durch die berufstätigen Eltern abgefangen werden müssten. Das können aber die wenigsten und infolgedessen bleibt irgendwas auf der Strecke: Das Kind oder der Job. Als Erzieherin heißt es dann, richtig zu reagieren. Doch das ist gar nicht so einfach.

Nachfolgend wünschen wir euch viel Spaß mit dem beliebtesten Artikel 2022 und wünschen euch schon vorab einen guten Rutsch ins neue Jahr 2023!

KRANKE KINDER BETREUEN ODER NICHT?

Es ist mal wieder Saison für Kinderkrankheiten. Viele Kinder werden krank und jede Erzieherin oder jeder Erzieher tut es den Erziehungsberechtigten gleich und sehnt sich nach dem Frühling. Denn erfahrungsgemäß kehrt mit dem Frühling erstmal wieder ein paar Monate Krankheitsruhe zum Durchatmen ein.

Eigentlich könnte man als Außenstehender, der nicht vom Fach ist, meinen, dass es den Erzieherinnen doch gerade recht sein müsste, wenn krankheitsbedingt viele Kinder ausfallen. Denn das bedeutet schließlich eine kleinere zu betreuende Gruppe – über Monate hinweg. Schließlich beginnt dieses Desaster mit den Krankheiten im Herbst, mit den ersten kalten, nassen Tagen und endet, wie schon beschrieben, erst im Frühling wieder.

Doch …

Dem ist eben überhaupt nicht so. Die kalten Monate sind eine enorme Belastung für das Personal in Kitas. Da wäre zum einen der Umstand, dass man als Erzieherin permanent sämtlichen Keimen, Viren und Bakterien ausgesetzt ist. Die Kinder haben oftmals noch keine Symptome und sind trotzdem schon hochansteckend. Wenn es sich nicht gerade um Wonderwoman oder Superman handelt, ist die Person, die sich um die vielen kleinen Kinder kümmert, sehr wahrscheinlich nicht in der Lage all diese Viren abzuwehren. Im Gegenteil.

Zum einen gehören Erzieherinnen zu der Berufsgruppe, die aufs Jahr gesehen die meisten Krankheitstage vorweisen kann. Sie sind oftmals enormen Stress ausgesetzt – allein das führt zu einem geschwächten Immunsystem. Kommen jetzt noch die Erreger hinzu, welchen sie permanent schutzlos ausgesetzt sind, kommt es zu unheimlich vielen Ausfällen. Die krankheitsbedingten Ausfälle müssen dann von den Kolleginnen* ausgeglichen werden. Bei diesen steigt dann wiederum das Stresslevel und spätestens, wenn die fehlende Erzieherin gesund wieder zur Arbeit erscheint, fallen eben jene Kolleginnen, die alles abgefangen haben, aus. Ein Teufelskreis entsteht…. Der nur sehr schwer zu durchbrechen ist. Ach, Wonderwoman und Superman, wo seid ihr nur?

Zum anderen stehen Erzieherinnen in diesen Monaten noch vor ganz anderen Problemen: den Eltern. Das klingt banal … aber man steht als Erzieherin jeden Morgen, ständig in einem großen Zwiespalt. Unser Wirtschaftssystem muss funktionieren und es kann nur funktionieren, wenn die Menschen arbeiten ….

Kitas erfüllen zumeist den Zweck, dass die Kinder betreut werden und die Eltern in der Zwischenzeit arbeiten können. So soll eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet werden. Das klingt in der Theorie großartig. In der Praxis kommen da aber diese fiesen kalten Monate… die diese Theorie meist völlig ins Wanken bringen.

Die Eltern wollen ihrem Job nachgehen. Im Jahr können sie pro Person 10 Tage „kindkrank“ nehmen. Doch die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass diese zehn Tage, gerade bei der Betreuung von U3-Kindern, bei weitem nicht ausreichen.

Die Kinder sind einfach viel häufiger und intensiver krank als noch vor einigen Jahren. Die Viren sind aggressiver. Von Corona ganz zu schweigen. Daraus resultiert für die Eltern ein Problem: Sie sehen sich unter Druck gesetzt und versuchen fast um jeden Preis ihr Kind betreuen zu lassen.

Nicht selten kommen Kinder morgens in die Kita, vollgepumpt mit Hustensaft und fiebersenkenden Mitteln, dass sie ja bei der Abgabe gesund wirken, sodass einer Betreuung nichts im Wege steht und die Eltern ihren Jobs nachgehen können. Das ist wahnsinnig erschreckend und traurig zugleich.

Und als Erzieherin kommt man in einen Gewissenskonflikt:

Ein krankes Kind in der Kita gehört nach Hause! Und die Eltern sollen die Möglichkeit haben ihrer Arbeit nachzugehen.

Eltern lügen morgens an der Tür, oder sie weinen sogar, sie sind unglaublich gestresst und manche drohen sogar ihren Job zu verlieren, weil das Kind schon zu oft krank war.

Eigentlich sollte man ein krankes Kind sofort wieder nach Hause schicken, aber der große innere Konflikt macht es, dass man hin und wieder eine Ausnahme macht und Mitleid mit der weinenden Mutter hat. So betreut man dann ein krankes Kind. Doch richtig ist das nicht. Das ist klar. Das Kind steckt alle an, egal ob groß oder klein und der viel wichtigere Aspekt: Das Kind fühlt sich nicht gut. Es gehört in die Hände seiner engsten Bezugspersonen: Seiner Eltern.

Mit diesem Zwiespalt zu leben ist wahnsinnig schwer.

Und deshalb möchte ich mich stark machen …. für die Kinder.

Solche Ausnahmen, wie oben beschrieben, sollten nicht vorkommen! Kein Job, kein Chef, ist so wichtig wie ein Kind, was auf die Welt gebracht wurde. Und deshalb sollte man sich als Erzieherin nicht in den Zwiespalt drängen lassen und jedes Elternteil, das versucht sein krankes Kind abzugeben, abweisen. „Es ist dein Kind, das Wichtigste in deinem Leben! Es ist krank und gehört jetzt zu seinen Eltern! Bitte geht wieder nach Hause“.

*Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen & personenbezogenen Wörtern wurde hier die weibliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.

Von Manuela

Manuela kann als Erzieherin sehr gut mit Kindern, aber auch mit Texten.

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