Tür- und Angelgespräche

Oft verhasst und dennoch wahnsinnig wichtig für die tägliche Arbeit einer Erzieherin* in der KiTa.

Doch fangen wir mal ganz vorne an: Was sind Tür- und Angelgespräche eigentlich? Schließlich ist dieser Begriff in aller Munde und überall wird propagiert, dass eben diese Gespräche zum pädagogischen Alltag gehören und in fast jeder guten Konzeption werden sie zumindest mal unter dem Thema „Elternarbeit“ aufgeführt.

Unter den „Tür- und Angelgesprächen“ versteht man die kleinen Sequenzen, wenn die Kinder in die KiTa gebracht bzw. abgeholt werden, bei denen es zwecks der Übergabe zum Kontakt zwischen Eltern und Erzieherinnen kommt. Hier besteht dann für beide Parteien die Möglichkeit der beiläufigen oder beabsichtigten Kontaktaufnahme. Kurze Informationen können ausgetauscht werden, aber man kann diese Zeit natürlich auch für Smalltalk nutzen – beispielsweise, um sich besser kennenzulernen. Wie der Name schon verrät, dienen die Tür- und Angelgespräche als wahre Türöffner.

Leider sehen viele Erzieherinnen die Notwendigkeit und auch die Wichtigkeit dieser Gespräche nicht. Da sind sich die meisten Kolleginnen ziemlich einig: Tür- und Angelgespräche sind lästig!

Aber warum empfinden sie es als lästiges Übel?

Nun ja, oftmals wird man mit diesen Gesprächen in eine Rolle gedrängt, in der man nicht sein möchte. Viele haben das Gefühl, sie könnten aus dieser Situation nur als „Verlierer“ hervorgehen. Schließlich gibt es mehrere unangenehme Möglichkeiten:

  • Die Person, die das Kind bringt/abholt, sagt gar nichts. Somit beginnt man „pflichtbewusst“ ein gezwungenes Gespräch, was nicht über den Smalltalk hinaus geht. Aber Smalltalk will eben auch geübt sein und das ist es bei vielen nicht – was schließlich zu einer krampfhaften Konversation führt, die keinen Spaß macht.
  • Die Person, die das Kind bringt/abholt beginnt ein Tür- und Angelgespräch und missachtet dabei unausgesprochenen Regeln. Diese besagen zum Beispiel, dass ein solches Gespräch kurz sein muss oder aber nicht mit wirklich wichtigen Inhalten gefüllt wird, welche es bei einem Elterngespräch unter vier Augen zu besprechen gilt. So zum Beispiel auch, dass Kritik an der pädagogischen Arbeit so beiläufig im Türrahmen erwähnt wird. Andere Eltern hören mit, Kinder hören mit und es würde den zeitlichen Rahmen komplett sprengen, hier in einer angemessenen Art und Weise zu antworten.
  • Die Person stellt Fragen, die zwar durchaus in den Kontext eines Tür- und Angelgespräches gehören, die Erzieherin aber total in Erklärungsnot bringen, weil sie die Antwort gerade nicht parat hat.

Diese drei möglichen Paramater erklären den Umstand, warum die Bring- und Abholzeit für viele Kolleginnen nicht gerade angenehm ist und sie deshalb oft versuchen, diese Gespräche zu umgehen. Die Corona-Pandemie, bei der die Kinder oftmals nicht mehr in die Einrichtungen gebracht werden durften, sondern an der Tür abgegeben werden mussten kam da vielen Einrichtungen gar nicht so ungelegen.

Doch was sind nun die guten Seiten? Warum sind Tür- und Angelgespräche so wichtig?

Vergessen wir nun mal all die oben aufgeführten Aspekte und erläutern ganz genau, warum diese Gespräche auf keinen Fall eliminiert werden sollten und warum die Handhabung in der Corona-Pandemie ganz und gar nicht förderlich war:

Fangen wir mal an der Basis an: Die Eltern geben das Kostbarste was sie haben in die Hände der Erzieherinnen. Sie möchten ein gutes Gefühl haben, wenn sie ihr Kind betreuen lassen, und das bekommen sie nur, wenn sie das Betreuungspersonal ein wenig kennenlernen. Tür- und Angelgespräche öffnen Türen, sie bauen Brücken. Durch diese kleinen Sequenzen beim Bringen und Abholen schaffen es die Eltern eine Bindung zu den Erzieherinnen aufzubauen und können ihr Kind somit leichter abgeben. So entsteht eine Vertrauensbasis, die für eine Zusammenarbeit und gemeinsame Erziehung notwendig ist. Die Parteien bilden ein Dreieck, wobei das Kind eine Ecke besetzt, die Erzieherin die andere und die dritte Ecke wird von der Bezugsperson besetzt. Nur wenn ein stabiles Dreieck konstruiert wird, entsteht ein gutes Beziehungsgefüge.

Hier ist es zum reinen Beziehungsaufbau auch einfach ratsam, beim Abholen immer einen kleinen Satz fallen zu lassen, wie das Kind den Tag in der KiTa verlebt hat. Das schafft Beziehung, Vertrauen und zugleich sind die Eltern überglücklich einfach ein Stückchen über den Tag des Kindes zu hören. Zum Beispiel:

„Mattis hat heute so schön mit Luisa gespielt. Die beiden haben über eine Stunde eine Burg im Sand gebaut.“

Nicht zu verachten ist des Weiteren der Aspekt des Informationsaustausches. Manchmal ist es nur ein kleiner Satz, der das Verhalten des Kindes an dem Tag in der KiTa oder umgekehrt: an dem Nachmittag zu Hause, erklärt. Zum Beispiel:

„Max hat heute Nacht nur 4 Stunden geschlafen!“

„Der Hase von Peter wurde gestern eingeschläfert…“

„Er hat heute morgen noch nichts gegessen.“

Und schon wissen beide Parteien Bescheid und man kann angemessen auf das Verhalten des Kindes reagieren.

Gleiches gilt für noch generellere Infos wie:

„Jan wird heute von Oma abgeholt.“

„Marla hat gestern 3mal Pipi auf der Toilette gemacht. Sie hat jetzt keine Windel mehr an.“

Ohne diesen Informationsfluss würde das ganze System nicht funktionieren.

Und schlussendlich ein sehr wichtiger Punkt, der viel zu oft in Vergessenheit gerät:

Gerade wenn die Kinder morgens in die KiTa gebracht werden, kann man als Erzieherin unheimlich viel beobachten und herausbekommen. Denn jeden Morgen kommt das Kind mit einer besonderen Stimmung in die KiTa. Wenn man da ein bisschen feinfühlig agiert und die Interaktion zwischen Kind und der Person, die das Kind bringt, beobachtet, kann man schon ziemlich viele Schlüsse auf das Verhalten des Kindes ziehen. War die Mutter am Morgen hektisch, weil sie selbst Sorge hatte zu spät zur Arbeit zu kommen? Ist die Stimmung entspannt? Lachen sie zusammen? Ist es liebevoll? Weint das Kind? Will es sich nicht verabschieden?

Diese Stimmungen gilt es aufzufangen, um dann im Rahmen der Tür- und Angelgespräche die richtigen Fragen zu stellen und im Laufe des Tages besser auf das Kind eingehen zu können.

Und dieser wichtige Aspekt fiel während der Pandemie komplett weg, weil Erzieher die Interaktion zwischen Kind und Eltern nicht mehr mitbekamen.

Als Fazit lässt sich also sagen:

Ja, sie sind anstrengend und manchmal auch nicht so angenehm, aber sie sind wichtig: Tür- und Angelgespräche sind für die pädagogische Arbeit notwendig!

*Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen & personenbezogenen Wörtern wurde hier die weibliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.

Von Manuela

Manuela kann als Erzieherin sehr gut mit Kindern, aber auch mit Texten.

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