Das geschlossene Konzept, oder… die geschlossene Arbeit

Wenn man sich viel mit Konzepten von Kindertageseinrichtungen beschäftigt, wird einem schnell klar, was gerade Mode zu sein scheint und was nicht. Welche Konzepte heutzutage offenbar ein „Muss“ sind und welche nicht. Gründest du eine neue KiTa, zählst du als sehr innovativ und modern, wenn du beispielsweise mit dem offenen Konzept ins Rennen gehst. Partizipation wird aktuell so großgeschrieben wie noch nie und wer geschickt arbeiten möchte, mit dem Partizipationsgedanken im Vordergrund, der muss quasi die offene Arbeit propagieren. Heutzutage heißt es nun mal „OFFEN“ und je offener desto besser. So zumindest die allgemeine Meinung.

So ist auch klar, dass da das gegenteilige Pendant des geschlossenen Konzepts völlig aus der Mode geraten scheint. Kaum einer spricht mehr davon und kaum einer arbeitet noch danach. Denn schließlich will sich keine Einrichtung den Stempel „altmodisch“ aufdrücken lassen. So verschwindet dieses Konzept immer mehr vom Markt und sogar Krippen springen auf den Zug mit auf und setzen auf Innovation, indem auch sie auf die offene Arbeit umsatteln.

Doch bevor man dieses geschlossene Konzept nun gänzlich in einen Karton mit der Aufschrift: „Kann weg!“ steckt, sollten wir vielleicht nochmal genauer einen Blick darauf werfen und erstmal klären was das geschlossene Konzept überhaupt ist und welche Rollen Erziehende, sowie Kinder, in diesem Konzept einnehmen. Wir verzichten hier mal genauer auf die Benennung der Nachteile… denn von diesen schwirren ja genügend herum – die brauchen wir nicht noch genauer erläutern 😉

Also los geht’s:

Das geschlossene Konzept – Was ist das überhaupt?

Wie der Name schon verrät, ist die Arbeit nach dem Konzept geschlossen – die Betreuung ist sehr eng gestrickt. Das fängt bei der Gruppenaufteilung an: Es gibt feste Stammgruppen mit festen Stammerziehenden. Konkret bedeutet dies, dass bei einer KiTa- Größe von beispielsweise 100 Kindern, die Kinder in 4 feste Gruppen, à 25 Kinder, aufgeteilt sind. Die Gruppen an sich sind starr und können nicht variieren. Auf je 25 Kinder kommen in der Regel je zwei Erziehende. Jede Gruppe hat einen eigenen Gruppenraum und alles findet innerhalb dieser Stammgruppe statt. Die Kinder haben ihre gemeinsamen Rituale, essen alle zusammen, sie machen ihre Angebote gemeinsam und gehen beispielsweise auch gemeinsam in die Turnhalle oder nach draußen. Wenn überhaupt treffen sie im gemeinsamen Freispiel oder bei KiTa-Projekten auf die anderen KiTa-Kinder der anderen Gruppen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Zusammengehörigkeit. Aus einer heterogenen Gruppe, die in Geschlecht und Alter unterschiedlich zusammengesetzt ist, entsteht mit diesem Konzept eine feste Konstellation. Ein Team, was zusammenhält und unheimlich viel Vertrauen, Wohlbefinden und ein Gefühl von zweiter Familie bietet, indem man Teil des Ganzen ist.

Was ist in diesem Konzept meine Rolle als Erziehende?

Als Erziehende im geschlossenen Konzept bzw. in der geschlossenen Arbeit gilt es eine konstante Bezugsperson zu sein. Die Kinder sind auf die zwei (ihnen zugeteilten) Erziehenden angewiesen und bauen in dieser engmaschigen Betreuung einen starken Bezug zu diesen auf. Des Weiteren ist es wichtig, die Gruppe als ein Team zu betrachten. Die Gruppendynamik muss man also auffangen und dahingehend daran arbeiten. Gruppengefüge erkennen und interagieren, um ein einheitliches Ganzes zu schaffen und sich außerdem die Verantwortung für alle 25 Kinder mit einer festen Zweitperson gemeinsam zu teilen. Der komplette KiTa-Alltag dieser 25 Kinder liegt also in den Händen der ihnen zugeteilten Erziehenden. Rituale, Angebote, Tagesabläufe… Mit viel Fingerspitzengefühl gilt es so zu agieren, dass alle Kinder auf ihre Kosten kommen und sich keines ausgeschlossen fühlt, um so ein Team zu erschaffen.

Die Rolle des Kindes im geschlossenen Konzept

Das Kind wird als Teil der Gruppe betrachtet. Jedes einzelne Kind ist ein Puzzleteil und nur alle zusammen können das große Bild entstehen lassen. Das heißt aber auch, dass stets im Sinne der Gemeinschaft gehandelt wird und nicht im Sinne eines einzelnen Kindes. Der eigene Wille („Was spiel‘ ich wann und wo und mit wem?“) spielt in diesem Konzept eine eher untergeordnete Rolle. Wenn also gerade beispielsweise Sport auf dem Programm steht, macht die ganze Gruppe Sport – unabhängig davon, ob Kind X gerade lieber malen möchte. Dadurch, dass das Kind somit als Teil der Gemeinschaft verstanden wird, lernt es aber eben auch, sich in so einem sozialen Gefüge zurecht zu finden und seine Rolle innerhalb dieser Gemeinschaft zu erkennen.

Vorteile dieser Betreuungsform

Das geschlossene Konzept bringt eine Menge Vorteile mit sich, die nicht zu verachten sind:

  • Die Kinder haben eine enge Bindung zu ihren Stammerziehenden

Heutzutage, insbesondere mit der Öffnung der Einrichtungen, die nach dem offenen Konzept arbeiten, geht die persönliche Ebene oftmals völlig verloren. Die Kinder kennen häufig nicht mal die Namen der Erziehenden, die sich mit ihnen in einem Gebäude befinden. Das ist hier anders: Die Kinder haben ihre festen Stammerziehenden und bauen eine sehr enge Bindung zu diesen auf.

  • Die Kinder haben eine enge Bindung zu ihrer Gruppe

Wie auch bei den Stammerziehenden bauen die Kinder zu ihrer gesamten Gruppe einen starken Bezug auf. Sie sind Teil einer festen Gruppierung und erleben ein starkes Zugehörigkeitsgefühl. Des Weiteren gehen einzelne Kinder nicht in der Menge unter. Jeder wird gesehen und jeder gehört dazu.

  • Die Entwicklung der Kinder lässt sich aus Fachkraftsicht sehr gut beobachten.

    Mögliche Defizite werden so nicht übersehen und werden frühzeitiger und besser entdeckt als bei anderen Konzepten. Das liegt daran, dass die Erziehenden einer Gruppe „ihre“ Kinder genau im Blick haben und in so engem täglichem Kontakt mit jedem einzelnen Kind sind, dass sie jeden Entwicklungsschritt genau beobachten können.

  • Die Absprache mit den Eltern ist einfach

    , da auch die Eltern einen bzw. zwei feste Ansprechpersonen haben. Dies fehlt bei anderen Konzepten oft und Eltern wissen nicht so recht, an wen sie sich wenden können.

  • Die geschlossene Arbeit bietet Sicherheit für die Kinder. Immer der gleiche Raum mit den gleichen Kindern und den gleichen Erziehenden bietet Schutz und Geborgenheit. Eine Art zweite Familie.

Fazit:

Das geschlossene Konzept ist meiner Meinung nach völlig zu Unrecht so aus der Mode geraten. Es gibt sicherlich eine Menge Kinder, für die genau diese Art der Betreuung das Richtige ist. Und wenn eine neue KiTa eröffnet finde ich schon, dass sich der Gedanke über das geschlossene Konzept noch lohnt… Denn vielleicht möchte man doch lieber in diese „altmodische“ Richtung arbeiten, als sich der hippen, offenen Betreuungsform anzuhängen, die aber eben auch nicht in allen Bereichen pädagogisch wertvoll erscheint.

Von Manuela

Manuela kann als Erzieherin sehr gut mit Kindern, aber auch mit Texten.

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