☰☰

 

Von der Kita an die Hochschule: So werden Pädagogen zu Dozenten

Ein Gastbeitrag von akademische-jobs.de, dem Stellenportal für Jobs an Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Nach einigen Jahren in der Kita kennt Ihr den Beruf von allen Seiten: die Eingewöhnung im Herbst, die Elterngespräche, die Dokumentation am Abend und die Anleitung der Praktikanten nebenbei. Manche merken dabei, dass ihnen gerade dieser letzte Teil besonders liegt. Sie erklären gern, geben ihr Wissen weiter und begleiten junge Kollegen in den Beruf.

Aus dieser Stärke lässt sich ein eigener Berufsweg machen. Künftige Fachkräfte werden nicht nur an Fachschulen ausgebildet, sondern auch an Hochschulen, in Studiengängen wie Kindheitspädagogik, Soziale Arbeit oder Erziehungswissenschaft. Dort unterrichten Dozenten, Lehrbeauftragte, wissenschaftliche Mitarbeiter und Professoren. Für die Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften ist Berufspraxis sogar gesetzlich vorgeschrieben, in den meisten Bundesländern fünf Jahre.

Der Wechsel aus dem Gruppenraum in den Hörsaal ist also möglich. Er führt aber über ein Studium und braucht Zeit. Dieser Beitrag zeigt, was Euer Abschluss an der Hochschule wert ist, welche vier Wege in die Lehre führen, was dort bezahlt wird und welche Stellen Hochschulen in der Pädagogik ausschreiben.

Was Euer Abschluss an der Hochschule wert ist

Der staatlich anerkannte Erzieher steht im Deutschen Qualifikationsrahmen auf Niveau 6. Auf derselben Stufe ist der Bachelor eingeordnet. Der Qualifikationsrahmen sortiert die deutschen Bildungsabschlüsse in acht Stufen und soll sie vergleichbar machen. Die Erzieher-Ausbildung gilt damit als gleichwertig, ein Hochschulabschluss ist sie trotzdem nicht. Für eine Stelle in Lehre und Forschung verlangen Hochschulen in aller Regel ein abgeschlossenes Studium.

Die gute Nachricht steckt in einem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009. Danach erhalten Absolventen einer Fachschule die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Ihr könnt mit dem Erzieher-Abschluss also auch ohne Abitur studieren, und zwar jedes Fach. Die Einzelheiten regeln die Länder in ihren Hochschulgesetzen. Ein Blick auf die Zulassungsseite der Hochschule, an der Ihr Euch bewerben möchtet, schafft Klarheit.

Hinzu kommt, dass Hochschulen Teile der Ausbildung auf das Studium anrechnen können. Auch dazu gibt es einen Beschluss der Kultusministerkonferenz. Er überlässt die Entscheidung der einzelnen Hochschule: Sie prüft, ob das Gelernte nach Inhalt und Niveau einem Teil des Studiums entspricht. Fragt deshalb vor der Einschreibung bei der Studienberatung nach, was angerechnet wird und ob sich das Studium neben einer Teilzeitstelle bewältigen lässt.

Welches Studium passt?

Drei Fächer liegen für Erzieher nahe. Kindheitspädagogik knüpft am direktesten an die Arbeit in Krippe und Kindergarten an. Soziale Arbeit ist breiter angelegt und reicht von der Jugendhilfe bis zur Schulsozialarbeit. Erziehungswissenschaft betrachtet Bildung und Erziehung über alle Lebensalter hinweg und ist stärker auf Forschung ausgerichtet.

Die Wahl des Fachs bestimmt später auch, in welchen Studiengängen Ihr lehren könnt. Wer eine Laufbahn in der Forschung oder eine Professur anstrebt, braucht nach dem Bachelor einen Master, denn er ist in aller Regel die Voraussetzung für die Promotion.

Vier Wege in die Hochschullehre

Hinter dem Wort „Dozent“ stecken an Hochschulen sehr unterschiedliche Jobs. Vier davon kommen für Pädagogen in Frage. Sie unterscheiden sich vor allem darin, welchen Abschluss Ihr braucht und ob Ihr davon leben könnt.

1. Der Lehrauftrag: Lehre neben dem Beruf

Ein Lehrbeauftragter übernimmt einzelne Veranstaltungen, etwa ein Seminar zur Elternarbeit oder zur Sprachförderung, und bleibt dabei in seinem Hauptberuf. Angestellt ist er an der Hochschule nicht. Der Lehrauftrag wird für eine bestimmte Veranstaltung in einem Semester erteilt.

Bezahlt wird pro gehaltener Stunde nach Sätzen, die Land und Hochschule festlegen. Vor- und Nachbereitung sind darin schon enthalten. Zum Leben reicht das nicht. Als Einstieg ist der Lehrauftrag trotzdem der naheliegende Weg: Ihr sammelt Lehrerfahrung, lernt den Hochschulbetrieb kennen und merkt nach einem Semester, ob Euch die Arbeit mit Studierenden liegt.

Vorausgesetzt wird in aller Regel ein abgeschlossenes Studium plus nachweisbare Erfahrung im Lehrgebiet. Viele Lehraufträge entstehen über Kontakte, zum Beispiel wenn eine Kita-Leitung regelmäßig Praktikanten einer Hochschule betreut und die Lehrenden dort kennt.

2. Lehrkraft für besondere Aufgaben: Lehre als Hauptberuf

Die Lehrkraft für besondere Aufgaben, kurz LfbA, ist die Stelle für alle, die vor allem unterrichten wollen. Der Schwerpunkt liegt auf der Lehre: Seminare halten, Praxisphasen begleiten, Prüfungen abnehmen und Abschlussarbeiten betreuen. Wie viele Stunden eine LfbA pro Woche unterrichtet, regelt die Lehrverpflichtungsverordnung des jeweiligen Bundeslandes.

Verlangt wird ein Hochschulabschluss, meist ein Master, dazu Berufspraxis im Fach. Anders als der Lehrauftrag ist die LfbA eine reguläre Anstellung mit Gehalt, Urlaub und Sozialversicherung.

Ein Beispiel aus unseren Stellenanzeigen: Anfang Oktober 2026 suchte eine Hochschule in Sachsen-Anhalt eine Lehrkraft für besondere Aufgaben im Fach Soziale Arbeit, bezahlt nach Entgeltgruppe 13 des Tarifvertrags der Länder. In dieser Gruppe liegt das Einstiegsgehalt bei rund 4.760 € brutto im Monat in Vollzeit (Stufe 1, Stand April 2026).

3. Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Forschen und lehren

Wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten in Forschungsprojekten, geben daneben einige Lehrveranstaltungen und schreiben häufig an ihrer Doktorarbeit. In der Pädagogik drehen sich solche Projekte um Fragen, die Ihr aus dem Alltag kennt: Wie gelingt Inklusion in der Krippe? Was bringt Sprachbildung im Alltag? Wie halten Träger ihr Personal?

Für diese Stellen braucht Ihr ein abgeschlossenes Studium. Viele Stellen sind befristet, weil sie an ein Projekt oder an die Doktorarbeit gebunden sind. Auch hier ein Beispiel vom Oktober 2026: Eine niedersächsische Hochschule schrieb eine Mitarbeiterstelle im Bereich Kindheitspädagogik in Entgeltgruppe 11 aus.

Die Mitarbeiterstelle ist ein üblicher Weg zur Promotion und damit eine Vorstufe zur Professur.

4. Die Professur: Hier zählen Eure Praxisjahre

An Hochschulen für angewandte Wissenschaften, den früheren Fachhochschulen, wird Berufserfahrung zur Einstellungsvoraussetzung. Das Hochschulrahmengesetz nennt in § 44 vier Bedingungen: ein abgeschlossenes Hochschulstudium, pädagogische Eignung, die besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit, die in der Regel durch eine Promotion nachgewiesen wird, und je nach Stelle besondere Leistungen in einer mehrjährigen beruflichen Praxis.

Wie lang diese Praxis sein muss, legen die Länder fest. In 13 Bundesländern sind es fünf Jahre, von denen mindestens drei außerhalb der Hochschule liegen müssen. Jahre in der Kita, in der Jugendhilfe oder bei einem Träger sind hier also kein Umweg, sondern Teil der Qualifikation. Die pädagogische Eignung lässt sich mit Lehrerfahrung belegen, zum Beispiel aus Lehraufträgen. So greifen die vier Wege ineinander.

Der Weg ist lang, denn er führt über Studium und Promotion. An Hochschulen für angewandte Wissenschaften wird in aller Regel auf die Besoldungsgruppe W2 berufen.

Die vier Wege im Überblick

WegAbschlussBezahlungHauptberuf?
LehrauftragStudium, PraxisHonorar je Stundenein
Lehrkraft für besondere Aufgabenmeist MasterGehalt, z. B. E13ja
Wissenschaftlicher MitarbeiterStudiumGehalt nach Tarifja, oft befristet
Professur (HAW)Promotion, Berufspraxisin aller Regel W2ja

Und die Fachschule für Sozialpädagogik?

Wer künftige Erzieher unterrichten möchte, denkt oft zuerst an die Fachschule oder Fachakademie, an der er selbst gelernt hat. Das ist ein eigener Weg, denn Fachschulen gehören zum Schulwesen und nicht zu den Hochschulen. Wer dort als Lehrkraft arbeiten darf, legt jedes Bundesland in seinem Schulrecht fest. Auskunft gibt das Kultusministerium des Landes.

Die Hochschule ist die Alternative für alle, die mit Studierenden arbeiten und sich stärker mit Forschung beschäftigen möchten.

Welche Stellen Hochschulen in der Pädagogik ausschreiben

Auf akademische-jobs.de sammeln wir täglich die Stellenanzeigen von mehr als 500 Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum Stichtag 4. Oktober 2026 trugen knapp 30 Anzeigen an 23 Hochschulen einen pädagogischen Schwerpunkt im Titel, von der Sozialen Arbeit über die Kindheits- und Elementarpädagogik bis zur Inklusiven Pädagogik. Darunter waren neun Professuren. Sechs davon waren mit W2 ausgeschrieben.

Die Anzeigen verteilten sich fast gleichmäßig auf Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten, dazu kamen einige Pädagogische Hochschulen. Auffällig ist, wie breit die Stellen gestreut waren. Keine Hochschule hatte mehr als zwei dieser Anzeigen online. Pädagogische Stellen entstehen also nicht an wenigen großen Standorten, sondern einzeln an vielen Orten.

Es lohnt sich deshalb, die Ausschreibungen regelmäßig zu prüfen, statt nur bei der Hochschule vor der eigenen Haustür nachzusehen. Auf unserem Portal könnt Ihr die aktuellen Anzeigen nach Fachgebiet filtern, zum Beispiel nach Sozialpädagogik oder Erziehungswissenschaft.

Was Ihr schon heute tun könnt

Zwischen Gruppenraum und Hörsaal liegen mehrere Jahre. Vier Schritte bringen Euch dem Ziel näher, ohne dass Ihr dafür kündigen müsst.

  • Praxisanleitung übernehmen. Wer Auszubildende und Praktikanten anleitet, sammelt Erfahrung im Vermitteln und kann sie später belegen.
  • Kontakt zu Hochschulen suchen. Über Praktikanten, Praxisprojekte oder Fachtage lernt Ihr die Lehrenden kennen, die Lehraufträge vergeben.
  • Das Studium planen. Erkundigt Euch, welche Hochschule Eure Ausbildung anrechnet und ob sich das Studium mit einer Teilzeitstelle vereinbaren lässt.
  • Erfahrungen festhalten. Notiert Fortbildungen, Projekte und Anleitungen mit Datum und Umfang. Bei einer späteren Bewerbung an einer Hochschule müsst Ihr Eure Praxis nachweisen.

Häufige Fragen

Kann ich als Erzieher ohne Abitur studieren?

Ja. Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 erhalten Absolventen einer Fachschule die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Die Einzelheiten stehen im Hochschulgesetz Eures Bundeslandes.

Kann ich mit der Erzieher-Ausbildung einen Lehrauftrag bekommen?

In aller Regel verlangen Hochschulen für einen Lehrauftrag ein abgeschlossenes Studium und Erfahrung im Lehrgebiet. Die Ausbildung allein genügt dafür üblicherweise nicht.

Brauche ich einen Doktortitel?

Für die Professur wird die Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit in der Regel durch eine Promotion nachgewiesen. Für einen Lehrauftrag oder eine Stelle als Lehrkraft für besondere Aufgaben genügt üblicherweise ein abgeschlossenes Studium. Maßgeblich ist die jeweilige Ausschreibung.

Zählt meine Zeit in der Kita für eine Professur?

Ja. An Hochschulen für angewandte Wissenschaften ist mehrjährige Berufspraxis Voraussetzung, in 13 Bundesländern fünf Jahre, davon mindestens drei außerhalb der Hochschule.

Fazit

Mit dem Erzieher-Abschluss allein wird niemand Hochschuldozent. Er öffnet aber die Tür zum Studium, und danach zählt Eure Praxis an der Hochschule mehr als in vielen anderen Berufen. Der Lehrauftrag ist der schnellste Einstieg, die Lehrkraft für besondere Aufgaben die Stelle für alle, die hauptberuflich unterrichten wollen, und die Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften das Fernziel für alle, die Studium, Promotion und Berufserfahrung zusammenbringen.

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren:

Die Belastbarkeit steht ständig auf dem Prüfstand… Die Abläufe in einer Kita sind alles andere als monoton: Kinderlachen, kreative Projekte…

Categories:   Erzieher-News, Kita und Karriere, Kita-Pädagogik

Kommentare

Sorry, keine Kommentare erlaubt.